Kirchen in unserer Gemeinde

Kirchen in Dickenschied

Die vorreformatorische Zeit

Im Mittelalter waren viele Städte, Dörfer, Höfe Kirchenbesitz. Auch die ersten bekannten Höfe in Dickenschied gehörten der Kirche, genauer, dem Kollegiatstift Karden/Mosel. Das Kollegiatstift Karden besaß um 1100 (nachweislich ab 1186) Güter in Dickesceit, die Papst Urban III 1186 bestätigte.

Dickenschied war alte Filiale der Großpfarrei Kirchberg. Graf Emich von Sponheim war es zu verdanken, dass Dickenschied zur Pfarrvikarie erhoben wurde und auch der Unterhalt dieser Pfarrvikarie gesichert wurde.

Die Auswirkungen der Reformation

Über die unmittelbaren Folgen der Reformation in Dickenschied ist nur wenig bekannt. Hierzu schreibt der Chronist Kandels (kath. Pfarrer von Dickenschied 1904-15) im Jahre 1904, wohl etwas einseitig, als kath. Pfarrer, aber in der Tendenz wohl richtig: "Sofort wurde (...) eine neue Kirchenordnung entworfen und allen ihm unterstehenden Geistlichen und Gemeinden aufs strengste befohlen, dieselbe ehestens in ihren Kirchen einzuführen. (...) Unter Strafe (Geld oder Gefängnis) mußten die Unterthanen den neuen Gottesdienst besuchen. (...) Wollte der Arme nicht, so blieb ihm nur das eine übrig, samt den Seinigen auszuwandern (...) So wurde Kirchberg, Gemünden, Ravengiersburg etc. protestantische Pfarreien."

Seit 1563 galt auch für Dickenschied der Heidelberger Katechismus als Kennzeichen einer bestimmten theologischen Richtung des evangelischen Glaubens - das reformierte Bekenntnis. Zwar galt Dickenschied als lutherisch, die lutherischen Pfarrer wurden jedoch abgesetzt und der Calvinismus eingeführt.

Als im Dreißigjährigen Krieg im Jahre 1625 die Spanier Kirchberg einnahmen, führten sie die katholische Religion wieder ein. Kirchen und Pfarrhäuser wurden katholisch oder simultan. Wenige Jahre später wurden mit der Erstürmung von Kirchberg durch die Schweden sämtliche Orte wieder protestantisch. Umgekehrt war es dann 1636, als die Kaiserlichen folgten.

Erst durch den Westfälischen Frieden 1648 begann eine gewisse Beruhigung. Das Religionspatent von 1685 gestattete Katholiken, Lutheranern und Reformierten freie ungehinderte Religionsausübung und Garantie für Pfarrer- und Schuldienststellen. Im Jahre 1688 wurden im Zusammenhang mit den französischen Eroberungsfeldzügen (1673 und 1688) in Kirchberg und Dickenschied der kathohlische Gottesdienst wieder eingeführt. Die Dickenschieder Kirche wird ab 1688 (bis 1912!) Simultankirche für beide Konfessionen.

Simultankirche von 1688 bis 1912 (1916)

Die erste Zeit der gemeinsamen Kirche von Evangelischen und Katholischen ist kaum erforscht. Die 1649 abgebrannte Kirche gehörte wohl der evangelischen Gemeinde allein; ob es dieselbe war wie vor der Reformation ist unbekannt. Die anschließend aufgebaute und 1842 wieder abgerissene Kirche wurde erst gegen Mitte des 18. Jahrhunderts von Katholiken stärker benutzt, als man (...), um "größere Bedeutung zu erlangen", das Fest der 14 Nothelfer einführte (...). Aufgrund der Wallfahrten zum Dickenschieder Fest und dem ständigen Anwachsen der katholischen Bevölkerung, die zudem mehr Rechte und größeren Einfluss in der Dorfgemeinde forderten, kam es in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Dickenschied laufend zu heftigen Streitigkeiten zwischen den Konfessionen.

Nachdem die alte Kirche zu klein und baufällig wurde, begannen im Jahre 1838 die Verhandlungen und Vorarbeiten zum Bau einer neuen größeren Simultankirche am gleichen Platz. Der Grundstein wurde am 29. Mai 1842 gelegt. Die Pfarrer beider Konfessionen "verherrlichten durch ihre Reden ... das selten Fest. (...) Alles gab Zeugnis von der Liebe und Eintracht, mit welcher beide Confessionen bisher nebeneinander gelebt haben." Trotzdem kam es immer wieder zu Divergenzen um verschiedene Rechte und Pflichten der Kirchennutzung zwischen beiden Konfessionen. Unter Aufsicht des königlichen Landrats erarbeitete man gemeinsam eine Vereinbarung, die bis ins 20. Jahrhundert hielt.

Als 1907 in Lindenschied und 1911 in Womrath das Simultaneum aufgelöst wurde, ging auch langsam die Zeit der gemeinsamen Simultankirche in Dickenschied zu Ende. Zunächst schien es so, dass die Katholiken wie in Lindenschied und Womrath ausziehen würden, da sie bereits einen Bauplatz von der Gemeinde erworben hatten. Als dann der katholische Kirchenvorstand 1910 einen Reparaturantrag aufgrund des schlechten Zustandes der Kirche an das Presbyterium stellte, wurde dieser verworfen und man einigte sich schließlich am 10. April 1912 zur Aufhebung des Simultanverhältnisses. Die Katholiken zahlten 18.000 Mark aus und behielten die Kirche nebst Kirchhof. Die Evangelischen entschlossen sich zum Bau einer neuen eigenen Kirche. Die Grundsteinlegung zur neuen evangelischen Kirche erfolgte am Sonntag nach Pfingsten 1914. Durch den Weltkrieg bedingt, war sie erst Ende 1918 fertig (erster Gottesdienst Sonntag vor Weihnachten 1918).