Chronik unserer Gemeinde

Abriss der Geschichte von Dickenschied

Vor- und Frühgeschichte

Nach Steinzeit und Bronzezeit kann die Vor- und Frühgeschichte des Hunsrücks, und damit Dickenschieds mit der Zeit der Kelten (600 - 50 v. Chr.), der Römer (50 v. Chr. - 300 n. Chr.) und der Franken (300 - 1000 n. Chr.) gekennzeichnet werden. In der Gemarkung Dickenschied sind keltische Gräberfelder im Walddistrikt "Bannholz" sowie nahe dem Saliswäldchen zu finden. Aus römischer Zeit ist ein Einhenkelkrug aus dem 2. Jahrhundert gefunden worden, und die alte "Römerstraße" zeugt von dieser Zeit. Eine Frankensiedlung war schließlich die Wüstung Werschweiler um 800 nordöstlich von Dickenschied.

Erste nachweisliche Namensnennung

Obwohl angenommen werden kann, dass Dickenschied um 1100 als Waldrodungssiedlung entstand, ist die erste nachweisliche Namensnennung 1186 in einem Schutzbrief Papst Urbans III. im Rahmen eines Güterverzeichnisses des Kollegiatsstiftes Karden. Besitzungen und Rechte in "Dicheset" = Dickenschied werden dort bestätigt. Andere frühe Schreibweisen sind z.B. Dickesceit, Dickenszeit, Dickescheit, Dickenschiedt und seit 1481 schließlich Dickenschied, meist in Kaufbriefen genannt. Frühe Höfe sind der Meisterhof, der Ginemanshof und Filmanshof. Höfe und Ortschaft waren zugehörig zunächst dem Kollegiatsstift Karden, dann der Großpfarrei Kirchberg und schließlich unter Sponheimer und Schmidtburger Herrschaft.

Frühe Kriege und Pilgerstätte 14 Nothelfer

Im 17. Jahrhundert wurde auch Dickenschied durch den 30jährigen Krieg (1618-1648), ein Großfeuer (1649) und weitere Kriege sehr hart getroffen, dass "kein Huhn und keine Geiß mehr zu finden waren". Um 1688 wohnten in Dickenschied nur noch 10 evangelische und 3 katholische Familien (Einführung der Reformation 1557; erster bekannter ev. Pfarrer Wolfgang Reis 1591-1605). Das Dickenschieder Fest mit Verehrung der 14 Nothelfer gibt es seit 1747 als bedeutsames Kirchenfest des Hunsrücks mit zeitweise über 3.000 Pilgern aus nah und fern. Es wurde seitdem immer am gleichen Tag (Sonntag vor Pfingsten) gefeiert. Im 18. Jahrhundert gehörte Dickenschied zu Baden, bis es dann 1796 für fast 20 Jahre zu Frankreich kam; alle Akten und Urkunden wurden in französischer Sprache abgefasst. Ab 1815 (Wiener Kongress) fing dann für uns die preußische Zeit an.

Bevölkerungsentwicklung, Auswanderung und Kirchenbau

Zwischen 1770 und 1860 hatte Dickenschied eine sehr starke Bevölkerungsentwicklung, die fast den Stand von 1950 erreichte. 1770: ca. 145; 1809: 231; 1817: 359; 1828: 393; 1840: 457; 1864: 492 Einwohner. Durch Übervölkerung und Hungerjahre, aber auch durch rosige Versprechungen, wanderten viele Dickenchieder nach den USA und Brasilien, später ins Ruhrgebiet und Saargebiet aus. In dieser Zeit fiel auch der Kirchenneubau beider Konfessionen (Simultankirche: 1842 - 1844), die Verlegung des Friedhofs von der alten Kirche an den nördlichen Ortsrand (1832) sowie eine eigenständige kath. Pfarrei (erster kath. Pfarrer Johann Stefan Wilhelm Foelix 1809-1812).

Landwirtschaftliche Prägung des Dorfes

Die erste aufgefundene Grundsteuermutterrolle der Gemeine Dickenschied von 1828 vermerkt neben den fast 400 Einhwohnern in 71 Wohnhäusern außerdem 50 Scheunen, 43 Ställe und 5 Schuppen, in denen 34 Pferde, 6 Füllen, 1 Stier, 30 Ochsen, 81 Kühe, 62 Stück Jungvieh, 200 Stück Hammel/Schafe, 27 Geißen, 2 Böcke und 136 Schweine gezählt wurden. Neben anderen Unterlagen wird damit dokumentiert, dass Dickenschied überwiegend landwirtschaftlich geprägt war (überwiegend Kleinbauern mit einer extrem niedrigen Betriebsgröße von oft nur 1/2 ha). Der kleinbäuerliche Besitz war in eine Fülle von Kleinparzellen durch die ständige Erbteilung zersplittert. Angebaut wurden zunächst Speltz, Hirse und Hafer, später Kartoffeln, Klee und Rüben, noch später Korn, Weizen und Gerst. Auch Flachsanbau und -verarbeitung waren in Dickenschied bis ins 20. Jahrhundert von größerer Bedeutung.

Die Gemarkung Dickenschied

Neben der Ortslage mit Oberdorf und Unterdorf (bäuerliches Straßendorf) sind auf der 586 ha großen Gemarkung über 100 Flurnamen überliefert, die mit kleinen und größeren Waldungen von ca. 200 ha durchzogen sind (Bannholz mit Pferdsweide, Hochwald mit Simmer, Altmühle und Rödelborn sowie Karstheck und Hypperch).

Veränderungen, Krieg und Märtyrer

Das Ortsgeschehen im 20. Jahrhundert wurde zunächst durch große infrastrukturelle Maßnahmen geprägt (Wasserversorgung, Elektrizität, Kanal- und Straßenbau). Auch die zur Gemeinde gehörende Scheidbachsiedlung verschwand "vom Erdboden". Erster Weltkrieg mit 20 Gefallenen und 2. Weltkrieg mit fast 70 Gefallenen und Vermissten bedeuteten schmerzliche Einschnitte in das Leben vieler unserer Familien. Nach der Machtergreifung durch die NS wählte bei der letzten Reichtagswahl am 05.03.1933 vor der Gleichschaltung die "schweigende Mehrheit" Dickenschieds trotz großer Propaganda nicht nationalsozialistisch. Der Dickenschieder Märtyrerpfarrer Paul Schneider musste im KZ Buchenwald als Opfer des NS-Regimes sein Leben hingeben.

Die Zeit nach dem 2. Weltkrieg

Die Zeit nach dem 2. Weltkrieg brachte u.a. eine Veränderung des Dorfbildes (Neubaugebiete), große strukturelle Veränderungen im Berufsleben (besonders in der Landwirtschaft) sowie ein reges Vereinsleben.

 

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Ortsbürgermeister
Karl-Wilhelm Bender
Backesweg 6
55483 Dickenschied

Tel. 06763 - 2163